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Barrierefreie Werkzeuge für das Web

Eine der wichtigsten Anforderungen an Webdokumente sind Geschwindigkeit und Effizienz.
Dies trifft auch auf deren Erzeugung zu: Schnell erzeugt, gut strukturiert, standardkonform, übersichtlich und vor allem barrierefrei sollen die Seiten sein.

(M)ein Problem

Auch wenn ich Content Management Systeme lange Zeit abgelehnt habe, war ich mir natürlich über einige der Vorteile durchaus im Klaren.

Mehrfach hatte ich auch Versuche unternommen, mich mit den am Markt befindlichen Produkten anzufreunden. Der große, oft nicht benötigte Funktionsumfang, die hohe Komplexität und sicher auch eine fehlende oder nicht zielführende Dokumentation ließen mich aber immer wieder von solchen Vorhaben abrücken.

Irgendwie fehlte mir auch das Gefühl dafür, was ich mit den möglichen Formulareingaben eigentlich bewirkte, eine bildliche Vorstellung von den zu erzeugenden Webseiten kam nicht auf.

Hinzu kam im Laufe der Zeit auch die Erkenntnis, dass viele Systeme trotz standardkonformer und barrierefreier Templates offenbar nicht in der Lage sind, diese Eigenschaften auch auf die generierten Dokumente zu übertragen. Von einer weitgehendst barrierefreien Eingabe ganz zu schweigen.

Arbeit automatisieren

Für das Webprojekt des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes hatte ich mir zum lokalen Einsatz ein perl script geschrieben, um den manuellen Aufwand für die mehr als 100 Seiten, jeweils mit unterschiedlicher und angepasster Navigation, zu minimieren.
Später wurde das script ergänzt und im Rahmen der eigenen Website zur Generierung der HTML-Dokumente eingesetzt.

Nicht Gästebuch - Nicht Redaktionssystem

Parallel dazu entstand im Rahmen eines Auftrages ein Script, welches ein bestehendes Projekt mit weitgehendst statischen Seiten und Inhalten um einen "News"-Bereich ergänzen sollte.

In Zusammenarbeit mit Eva Papst wurde dieses Modul im Sinne der Barrierefreiheit weiter perfektioniert (Input/Output) und um einige Funktionen ergänzt. Auf Grund der eigenen Erfahrungen wurde besonderer Wert auf Hilfetexte gelegt.

Kein CMS - oder doch?

An Hand der gewonnenen Erfahrungen mit dem "News"-Script wurde in der zunächst letzten Entwicklungsphase aus dem lokalen Script zur Seitenerzeugung eine Art Mini-CMS entwickelt.

Neben weitgehendst barrierefreier Bedienung unterstützt eine Benutzerführung das Verständnis für die jeweiligen Arbeitsschritte. Zu jedem Zeitpunkt ist eine Kontrolle der bisherigen Arbeit an Hand von temporären Vorschauseiten oder der teilbefüllten Webdokumente möglich.

Umfangreiche Hilfetexte zu jedem Formularfeld und weiterführende Informationen rund um Web und HTML sollen sowohl dem ungeübten, als auch dem behinderten Benutzer die Bedienung des Werkzeugs erleichtern und das Verständnis für das Thema fördern.

Arbeitstitel: easy2use

Nach all den Rückmeldungen, die wir bekamen, durften wir guten Gewissens davon ausgehen, dass die Scripte in der Tat easy2use - leicht zu benutzen - sind.

Daher nutzten wir während der Hauptentwicklungsphase diese Wortschöpfung als Arbeitstitel.

Aus "easy2use" wird "bwl collection"

Zwei Module sind noch keine Sammlung - oder doch?

Die Namenswahl erfolgte aber auch bereits mit Blick auf zukünftige Entwicklungen. Ideen für weitere Module waren jedenfalls vorhanden.

Mit der Namensgebung für die beiden bereits existierenden Module habe ich mich unabhängig davon dennoch recht schwer getan. Beide Scripte passen nicht in das Schema, für welches es aktuell im Sprachgebrauch die verschiedensten Bezeichnungen gibt.

Das News-Script geht weit über eine Gästebuch- oder Kommentarfunktion hinaus. Die Möglichkeit der individuellen Gestaltung zu erzeugender Seiten durch die Integration von beliebigen Objekten entspricht vielleicht auch nicht ganz der Aufgabe von Blogs.

Noch unklarer ist die Sachlage beim Script zur Projekterzeugung.

Ohne Zweifel trägt es Grundzüge dessen, was allgemein unter CMS verstanden wird. Sowohl in der primären Aufgabenstellung, als auch beim Funktionsumfang unterscheidet sich das Tool aber sehr deutlich von verfügbaren Systemen. Deshalb wäre die Bezeichnung CMS eher irreführend und unehrlich.

Um Irritationen zu vermeiden, wurden daher die Modulbezeichnungen "News Manager" und "Project Manager" gewählt.

Ausblick

Die Vorversionen der ersten beiden Module sind seit März 2004 unter Link extern: www.paul-aus-petershagen.de in Nutzung. Das Projekt hat mit der erfolgreichen Teilnahme am BIENE-Award 2004 und 2005 bewiesen, dass es mit den Modulen selbst für weniger geübte Nutzer möglich ist, standardkonforme und zugängliche Webseiten zu erzeugen.

Die Manager werden auch im vorliegenden eigenen Web-Projekt eingesetzt.

Das inzwischen beendete Schulprojekt der Curie-OS Petershagen war gleichzeitig der Startschuss für die Erweiterung der bwl collection mit gleichzeitiger Umstellung auf die Programmiersprache php. Notwendige Ergänzungen ergaben sich aus der täglichen Praxis vor Ort und bestimmten Fortgang und Reihenfolge der Arbeiten.

Die vorhandenen Module werden derzeit überarbeitet und sollen nach und nach die perl-Versionen ersetzen.

Zielgruppe und Grenzen

Die bwl collection kann und soll kein Konkurrenzprodukt zu existierenden Systemen sein.

Es richtet sich an Benutzer, die an der aktiven Gestaltung des Webs teilhaben möchten, selbst Inhalte publizieren wollen, sich aber weder mit HTML-spezifischen noch mit gestalterischen Problemen allzu tiefgründig befassen wollen oder können.

Insbesondere sehen wir Anwender mit Behinderungen als Zielgruppe, denn das Programm unterstützt auf vielfältige Weise auch diejenigen, die keine optische Kontrolle über die zu erzeugenden Webseiten haben.

Andererseits erfordert die sehr strikte Orientierung am "barrierefreien Endprodukt" und die sich daraus notwendigerweise ergebende Bedienung ein Mindestmaß an Bereitschaft zum "Mitmachen". Das Programm kann und soll dem Benutzer nicht das Denken abnehmen, inhaltliche und strukturelle Entscheidungen müssen durch den Anwender getroffen werden. Insbesondere deshalb haben wir zum Beispiel von einer automatisierten Sprachauszeichnung zunächst abgesehen.

Den Grundgedanken, der hinter dem Programm steckt, könnte man etwa wie folgt formulieren:
Was immer der Benutzer auch unterläßt - bei vorgesehener Bedienung werden zumindest gut zugängliche Seiten mit einem Mindestmaß an Struktur erzeugt werden - Eigenschaften, die so manches "ausgewachsene CMS" vermissen läßt.

Über die Programmgestaltung, Benutzerführung und Hilfetexte wollen wir auch das Grundverständnis für das "Publizieren im Netz" fördern und gleichzeitig auf bescheidene Weise dazu beitragen, dass die Problematik "barrierefreies Netz" in das Bewußtsein der Anwender rückt.


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bwl projekt manager v.5.03.10
by - KE-

Letzte Änderung: 27.02.2008