Startseite / 1. Zugänglichkeit / Standort: 1.3 Struktur.


-

Damit Sie sich zurechtfinden

"Ordnung ist das halbe Leben", so ein bekanntes Sprichwort. Wer Ordnung hält, findet seine Sachen immer wieder, muss nicht suchen und spart Zeit.

Auch für Web-Projekte gilt diese grundsätzliche Lebensweisheit.
Mehr noch: Ordnung im Web-Angebot und Ordnung auf der einzelnen Web-Seite hilft dem Besucher, sich in dem zunächst unbekannten Umfeld zu orientieren.

Je schneller er lernt, wie die Web-Inhalte im Projekt strukturiert und geordnet sind, wo sich auf dem Bildschirm wichtige Bereiche befinden und wie man sich effektiv im Projekt mittels der Navigation bewegt, um so leichter werden sich ihm die Inhalte erschließen, um so wohler wird er sich auf den Web-Seiten fühlen.

Eine gut durchdachte Struktur des Projektinhaltes sowie sinnvolle Seiten- und Textstrukturen sind nicht nur für barrierefreie Seiten nützlich. Sie verbessern generell die Wahrnehmbarkeit und Verständlichkeit der Inhalte und Erleichtern die Bedienbarkeit und Navigierbarkeit.

Ordnung im Projekt

Selbst bei kleineren und mittleren Web-Angeboten sollte der Gesamtinhalt in Einzelthemen aufgegliedert sein. Je nach Umfang kann es auch nötig sein, diese Einzelthemen weiter zu untergliedern.

Ähnliche Inhaltsstrukturen finden sich auch in Büchern in Form von Kapiteln und thematischen Abschnitten. Sie ermöglichen den gezielten Zugriff auf interessierende Inhalte, ordnen die Inhalte in einer logischen Abfolge oder stellen die Themen in logische Beziehungen zueinander.

Besonders in umfangreicheren Web-Projekten ist die Strukturierung der Inhalte und damit der Navigation von großer Bedeutung. Eine sinnvolle Gliederung ermöglicht dem Besucher, den Überblick zu behalten. Er muss das Gefühl dafür haben, wo er sich befindet, muss dies auch kontrollieren können und wissen, wie er zu anderen Themen oder zum Ausgangspunkt zurück gelangen kann. Er muss sich orientieren können.

Gliederung und Navigation müssen als solche wahrnehmbar sein, Texte und Begriffe müssen den dahinter liegenden Inhalt erkennen lassen und verständlich sein.

Zur projektübergreifenden Ordnung gehört auch, dass auf allen Seiten wiederkehrende Elemente an der gleichen Position angeordnet sind und sich diese eindeutig von anderen Seitenbereichen unterscheiden.

Besonders wichtig ist die Struktur für Benutzer von alternativen Ausgabegeräten.

Foto zeigt eine Braille-Zeile

Bildunterschrift: Braille-Zeile und Notebook

Je nach verwendeter Technologie "sehen" diese Nutzer nur einen kleinen Teil der Web-Seite (Lupen-Programme) oder gar nur eine einzige Zeile mit 40 oder 80 Zeichen (Braille-Zeile).

Im letzten Fall erfolgt die Ausgabe der Inhalte in genau der Reihenfolge, in der diese auch im HTML-Quelltext der Seite stehen - und diese muss nicht zwangsläufig die Reihenfolge der optischen Wahrnehmung sein.

Wenn dann noch jede Web-Seite ein anderes Aussehen (eine andere Struktur) hat, verliert der Besucher schnell die Übersicht.

Ordnung in den Texten

Stellen Sie sich vor, Ihre Tageszeitung würde zukünftig ohne Überschriften ins Haus kommen und alle Beiträge wären eine einzige lange Textwurst - keine Absätze, keine Hervorhebungen, keine Aufzählungen.

Sowohl in der herkömmlichen Schriftsprache als auch in der "Sprache der Web-Seiten" (HTML) kennen wir deshalb die logische Auszeichnung von Textelementen. Das heißt, wir geben einem Text eine ganz bestimmte Bedeutung.

Eine Überschrift heißt deshalb Überschrift, weil sie einem nachfolgenden Textabschnitt (einem Thema) vorangestellt ist. Egal, welche Farbe, Form und Größe der Überschriftentext letztlich hat, es bleibt eine Überschrift. Wir erkennen sie unter anderem auch an der Eigenschaft, einen gebührenden Abstand zum nachfolgenden Text einzuhalten.

Dagegen wird ein beliebiger Text nicht automatisch zur Überschrift, nur weil wir ihn etwas größer, in anderer Farbe und in Fettschrift schreiben.

Mit Hilfe von logischen Zuweisungen an Textteile können wir also unsere Inhalte und Texte strukturieren.

Neben der Hauptüberschrift (Überschrift 1.Ordnung) kennen wir auch untergeordnete Überschriften, die als Zwischenüberschriften eingesetzt werden.

Weitere wichtige strukturierende Textelemente sind der Textabsatz, die Aufzählung (Liste) und die Datentabelle.

Texte für das Web

Bei der Aufbereitung von Inhalten für Web-Angebote und bei deren Umsetzung ist die korrekte Anwendung dieser logischen Strukturelemente extrem wichtig.

Alternative Ausgabegeräte, wie zum Beispiel die Braille-Zeile, stellen nur den reinen Text dar, nicht jedoch Größe, Farbe, Ausrichtung oder andere physische Eigenschaften.

Ohne die korrekte Verwendung der dafür geschaffenen HTML-Auszeichnungen wird aus einem Wort oder einem Text eben keine Überschrift, auch wenn er mit Hilfe anderer HTML-Formatierungen noch so groß gestaltet wird - die Braille-Zeile oder der Text-Browser "sehen" davon nichts.

Sie können aber eine korrekt ausgezeichnete Überschrift als solche interpretieren und Benutzern alternativer Ausgabemedien diese Information weiterreichen. So erfährt zum Beispiel der Benutzer eines Vorleseprogramms an Hand akustischer Informationen, dass ihm nun eine Überschrift vorgelesen wird.

Die semantisch korrekte Verwendung von Strukturelementen hat aber auch für die Wahrnehmbarkeit, Verständlichkeit und Bedienbarkeit noch eine weitere ganz wichtige Bedeutung:

Alternative Technologien, wie sie durch Menschen mit Behinderungen verwendet werden, ermöglichen das Lesen der Seitentexte auf verschiedene Weise. So können zum Beispiel im Überschriften-Modus alle Überschriften vorgelesen werden. Das ermöglicht den Benutzern, sich schnell einen Überblick über den Seiteninhalt zu verschaffen.

Siehe dazu: Link extern: Vom Baukasten zur Architektur, besonders die beiden Sprachbeispiele. Unter der angegebenen Quelle finden Sie auch die alternativen Textversionen zu den Audio-Dateien.

Auch Textabsätze können einzeln vorgelesen werden und mit Hilfe der Tastatur springen die Anwender von Element zu Element. Ohne die korrekte Auszeichnung der Inhalte ist dies nicht möglich.

Neben der Bedienbarkeit bieten aber gut strukturierte Texte ganz allgemein einige Vorteile.

Die durch Überschriften unterschiedlicher Ordnung abgebildeten Hierarchien und die dazugehörigen Inhalte werden eher als zusammengehörig wahrgenommen. Dies erleichtert dem Besucher den inhaltlichen Zugang zu den Angeboten, Auge und Geist finden "Ruhepunkte", um über das eben Gelesene nachzudenken und es zu verarbeiten.

Das erfordert aber auch die logisch richtige Abfolge von Strukturelementen. Besonders trifft dies auf die Überschriften unterschiedlicher Ordnung zu.

Sofern es Themen und Seiteninhalte erlauben, sollte projektweit eine einheitliche oder zumindest ähnliche Struktur angestrebt werden.

Ordnung in der Navigation

Alles bisher Gesagte gilt analog auch ganz besonders für die Navigation innerhalb des Web-Angebotes.

Nach kurzer Zeit hat sich der Besucher an die Position, die Struktur und die Reihenfolge der Navigationspunkte gewöhnt. Er erwartet also auf jeder Seite die Navigation an der gleichen Stelle und in der gleichen Reihenfolge.

Über die ganze Seite verteilte Navigationsbereiche schaffen Verwirrung.

Grundsätzlich gilt auch, dass Web-Seiten nicht auf sich selbst verweisen sollen. Die Nutzung des in diesem Fall deaktivierten Navigationspunktes als Standortangabe hat sich recht gut bewährt.

Siehe auch: Link extern: Navigation - Leitsystem oder Dschungel.

Linearisierung und Sprungmarken

Sehende Benutzer erfassen die Web-Seiten auf dem Bildschirm zunächst als Ganzes. Werden markante und auffällige Bereiche erkannt, richtet sich die Aufmerksamkeit des Auges darauf und der Besucher prüft, ob es sich um für ihn interessante oder wichtige Informationen handelt.

So wird nach und nach der Inhalt der einzelnen Webseite aufgenommen. Wichtige Seitenbereiche wie die Navigation werden im Gedächtnis "gespeichert" und das Auge kann bei Bedarf sofort zu dieser Stelle "springen".

Blinden oder sehbehinderten Menschen erschließen sich die Inhalte einer Web-Seite in anderer Form.

Text-Browser oder alternative Ausgabemedien können sich nicht darum kümmern, ob sich zum Beispiel die Navigation links oder rechts befindet.

Bildschirm-Schnappschuss (Ausschnitt): Text-Browser Lynx, Darstellung der Navigation

Bildunterschrift: Darstellung der Navigation im Text-Browser Lynx

Sie interpretieren den Quelltext der Seite und stellen die Inhalte in genau jener Reihenfolge dar, in der sie diese im HTML-Code vorfinden.

Das erfordert, die Inhalte selbst gut zu strukturieren und die Abfolge der verschiedenen Seitenbereiche (Kopfzeilen, Inhalt, Navigation, Formularfelder usw. ) gut zu planen.

Um dem Benutzer die Möglichkeit zu geben, direkt zu bestimmten Seiteninhalten zu gelangen, sollen Link extern: Sprungmarken vorgesehen werden. So kann er zum Beispiel den Textinhalt anspringen, ohne sich die komplette Navigation auf jeder Seite immer wieder ausgeben zu lassen. Ebenso ist es denkbar, dass der Inhalt übersprungen wird, um direkt zur Navigation zu gelangen.

Wichtig nur, dass es projektweit einheitlich gehandhabt wird - dass eben Ordnung herrscht.

Weiterführende Informationen:

Tipps aus der Praxis:

Nähere Erläuterungen zu den bereits genannten Grundprinzipien der Gestaltung barrierefreier Webprojekte:

Zurück - Weiter



Textanfang - Seitenanfang.

bwl projekt manager v.5.03.10
by - KE-

Letzte Änderung: 21.02.2008